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III. Urteil der Zeitgenossen und der Nachwelt.

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Diese Streitsache veranlaßte Garth zu seinem satirischen Gedicht. „Als ich sah, daß die Feindseligkeiten unter den Mitgliedern des College of Physicians' täglich zunahmen, sagt er in der Vorrede zu seinem komischen Epos, da fühlte ich den Drang in mir, eine Satire ähnlich der Boileau's zu schreiben, ‘and to endeavour to rally some of our disaffected members into a sense of their duty, who have hitherto most obstinately opposed all manner of union'.“ (Vorwort S. 34.)

Und so entwirft er inmitten des Dranges der Geschäfte, inmitten seiner vielseitigen Tätigkeit das Werk, „das ihm die wichtige Vermittlerrolle zwischen Boileau und Pope geben sollte“,') das Dispensary. Wie lange Garth daran gearbeitet, wissen wir nicht. Bereits zu Beginn des Jahres 16992) konnte er das Manuskript seinem Freundeskreise vorlegen. Das Gedicht zirkulierte zunächst als Manuskript, doch schon Dach einigen Wochen erschien es gedruckt unter dem Titel: “The Dispensary: A Poem. Printed and sold by John Nutt, near Stationer's Hall. 1699. 3)

III. Urteil der Zeitgenossen und der Nachwelt.

Im allgemeinen haben wir wenig Urteile bedeutender Kritiker über das Dispensary. Wie Garth's ältere Dichterfreunde Dryden und Addison über das Epos dachten, ist uns leider unbekannt. Pope meinte, daß jede Änderung, die sein Freund an dem Dispensary vornahm, eine Verbesserung war.)

Die Lobhymnen Ch. Boyle's, des späteren Grafen von Orrery, und der übrigen Freunde des Dichters

1) Schenk, a. a. 0., S. 112.

?) Es ist wohl die erste Hälfte des Jahres 1699 als Zeit der Entstehung anzunehmen, da das Gedicht zuerst als Manuskript zirkulierte und in demselben Jahr noch drei Auflagen erlebte.

I Norman Moore, a. a. 0.
9 Johnson, a. a. 0,

auf das Werk sind zwar übertrieben, verdienen jedoch immerhin Beachtung.

Johnson, der Kritiker, meint in seinem schon mehrfach angezogenen Leben Garth's:

,,Im Dispensary herrscht ein leichter Fluß der Sprache; die Verse sind im allgemeinen glatt, sehr elegant sind aber wenige. Keine Stelle sinkt unter das Maß der Durchschnittsdichtung herab, wenige aber erheben sich darüber. Der Plan der Dichtung scheint indes nicht recht im Einklang zu stehen mit dem Stoff: die Mittel das Ziel zu erreichen und der Endzweck haben nicht den nötigen Zusammenbang.“ Er führt dann eine Äußerung Resnel's an, der über das Dispensary bemerkt, daß das, was der eine Held sagt, ebensogut von einem anderen gesagt werden könnte. Gegen die Komposition, fährt dann der berühmte Doktor fort, lasse sich nichts einwenden. Überall habe der Dichter seine ganze Kraft angewandt, nirgends einen Vers unvollendet gelassen oder einen Gedanken ungenügend ausgedrückt. Es fehle dem Gedicht indes das dichterische Feuer, 'somethiog of general delectation', sagt er zum Schluß und will darin den Grund dafür erblicken, daß es nicht mehr fähig war, sich selbst zu halten, ésince it has been no longer supported by accidental and intrinsic popularity'.

Und diese Beliebtheit war groß gewesen. Ein Gedicht, das in einem Jahre drei Auflagen erlebte, muß Freunde gehabt haben. Kein Wunder. Hatte doch der Dichter vor allem in der Wahl seines Stoffes einen glücklichen Griff getan. Das Thema war durchaus aktuell; die Streitigkeiten zwischen Ärzten und Apothekern damals in aller Munde. Dazu kämpfte er für edle, menschenfreundliche, mildtätige Bestrebungen gegen die Intriguen des Eigennutzes und, wie Johnson sagt, 'was on the side of regular learning against licentious usurpation of medical authority'.

Auch das äußere Gewand, in das der Dichter seine Satire kleidete, die glatten Verse fanden Beifall. Dazu kommen noch die vielen satirischen Anspielungen auf bekannte Persönlichkeiten und seine zahlreichen, oft sehr komischen Wendungen. So wurde das Gedicht 11 mal aufgelegt, 1) die 11. Auflage erschien im Jahre 1768 sicher ein Be. weis für seine Beliebtheit. Das Dispensary ist also bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts gelesen worden, und noch heute sollen einige Zitate daraus gebraucht werden.)

Doch nicht nur über den Kreis seiner Londoner Freunde hinaus trug das Werk den Ruhm seines Verfassers, es wußte sogar die Augen des Auslandes auf sich zu lenken. Sein Anfang wurde ins Französische übertragen und zwar von keinem geringeren als Voltaire. Der berühmte Franzose gibt die vier ersten Verse folgendermaßen wieder :

Muse, raconte-moi les débats salutaires
Des médecins de Londres et des apothicaires,
Contre le genre humain si longtemps réunis,
Quel dieu, pour nous sauver, les rendit ennemis?
Comment laissèrent-ils respirer leurs malades,
Pour frapper à grands coups sur leurs chers camarades?
Comment, changèrent-ils leur coiffure en armet,
La seringue en canon, la pilule en boulet?
Ils connurent la gloire; acharné l'un sur l'autre,
Ils prodiguaient leur vie et nous laissaient la nôtre. :)

IV. Literarhistorische Stellung. Wohl kaum jemand wird sich heutzutage darum kümmern, wer diese so vortreffliche Einrichtung der englischen Armenpflege mitbegründen half. Der Mann, der mit seiner ganzen Kraft für die Förderung dieses edlen Unternehmens eintrat, der die Schale seiner beißenden Satire über jene ausgoß, deren Eigennutz und Geldgier die menschenfreundlichen

1) Vgl. Norman Moore in D.N.B, und Schenk S. 11, die beide unrichtigerweise nur 10 Auflagen angeben,

9) Norman Moore, a. a. 0.
9) Hoefer, Nouvelle Biographie générale, sub Garth.

näher als z. B. der so oft mit dem Lutrin verglichene Lockenraub von Pope. Die gerade Linie des italienischen komischen Epos über das französische zum englischen geht also von La secchia rapita über das Lutrin zum Dispensary.1)

In formaler Hinsicht steht Garth, was Versbau und Reimtechnik anlangt, vollkommen unter dem Einfluß Dryden's.?) Der Mann, der alle seine Zeitgenossen durch den süßen Zauber seiner Sprache, durch eine seltene Meisterschaft des wohllautenden Reimes entzückte, das Haupt und der Führer der gesamten jungen Dichterschule, der dem französischen Klassizismus zum Siege über die alte englische volkstümliche Dichtung verholfen hatte, wurde auch das Vorbild für unseren Dichter.

Hinsichtlich der Handlung des Dispensary sei zum Schluß noch bemerkt, daß der Mittelpunkt derselben, die Schlacht zwischen Ärzten und Apothekern, auf eine wirkliche Begebenheit zurückgeht. „Die Beschreibung der Schlacht,“ sagt Garth in der Vorrede, „gründet sich auf einen Streitfall, der sich in der Armenapotheke ereignete, zwischen einem Mitglied des College und seinem Anhang und einigen Dienern, die dort beschäftigt waren, Medizin abzugeben."

V. Bibliographisches. Ein Originalmanuskript des Dispensary ist nicht vorhanden.) Es mußte daher die Frage entschieden werden, welche der Auflagen einer kritischen Ausgabe zugrunde zu

1) Schenk, a. a. O., S. 66.
) Schenk, a. a. O., S. 10.

3) Wenn Schenk (S. 10) sagt: „Das Manuskript der dritten Auflage, das Garth's Freund Christopher Codrington gehörte, befindet sich in der Bibliothek des Ärztekollegiums in London“, so beruht diese unrichtige Bemerkung vielleicht auf einem Mißverständnis des Wortes copy in der Biographie Garth's im D.N.B. Die betreffende Stelle lautet: The copy of the third which belonged

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legen sei. Die Entscheidung war insofern schwierig, als die zu Lebzeiten des Dichters erschienenen Auflagen die 4 nach seinem Tode veröffentlichten Drucke konnten ja nicht mehr in Betracht kommen bedeutend voneinander abweichen, wie dies aus den Varianten zu ersehen ist.

Ich habe mich dafür entschieden, die Ausgabe letzter Hand der nachfolgenden kritischen Ausgabe zugrunde zu legen, weil ich so am besten der Schwierigkeiten Herr zu werden glaubte, die die beständigen Änderungen – sowohl des Sinnes, wie der Schreibung die der Dichter an seinem Werke vornahm, bieten.

Trotz Nachforschungen am Brit. Museum und an den in Betracht kommenden Bibliotheken der ärztlichen Colleges in London, sowie trotz Anfragen bei den bedeutenderen englischen Antiquariaten, war es mir unmöglich, die 8. Auflage zu Gesicht zu bekommen oder ihr Druckjahr zu erfahren. Ich muß daher die 7. von 1714 als die Ausgabe letzter Hand bezeichnen, selbst auf die Gefahr hin, daß die 8. die letzte der zu Lebzeiten Garth's erschienenen Ausgaben ist. War sie dies wirklich, so würde der Text doch kaum nennenswerte Abweichungen von dem vorliegenden aufweisen. Die Varianten der 9. beweisen uns das.

Die in Betracht kommenden Einzelauflagen des Dispensary sind folgende *):

The Dispensary; / A / Poem. London, / Printed, And Sold by John Nutt, near / Stationers-Hall. 1699. 4°. 84 S.S. [1]

to Garth's Friend, Christopher Codrington, is in the library of the College of Physicians of London' etc.

Trotz sorgfältiger Nachforschung konnte ich weder in der Bibliothek des Royal College of Physicians, noch im Royal College of Surgeon's, noch in der R. Med. and Chir. Soc. ein Manuskript finden. Auch im Brit. Mus, ist nichts vorhanden. Wohl aber hat das R. C. of Phys. die 3. Aufl., in der Chr. Codrington die richtigen Namen der Helden eingesetzt hat.

1) Die schrägen Striche bezeichnen die Zeilenenden. Garth-Leicht, Dispensary.

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