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Dichter, der Musik in seiner Seele bat, wird, wie er den einzelnen Hexameter vollendet gestalten kann, auch dem fortlaufenden Fluß seiner Verse die Frische der rhythmischen Bewegung zu erhalten wissen oder den Gedanken einer hexametrischen Dichtung aufgeben. Nicht allein in hexametriechen, sondern auch in jambischen und trochäischen Versen gibt es neben dem Rhythmus des Einzelverses noch einen Rhythmus des Versflusses, der nicht vernachlässigt werden kann, ohne die musikalische Wirkung einer Dichtung zu zerstören.

Nun freilich ist es vielleicht nicht bloß Zufall, daß die Versuche, den Hexameter in der englischen Literatur einzufügen, verhältnismäßig so spärlich sind. Andererseits aber muß darauf hingewiesen werden, daß ein Dichter wie Coleridge, der sehr wohl wußte und auch durch sein eigenes Schaffen bewiesen hat, daß Rhythmus das Leben der Poesie ist, sich des Hexameters bedient, als er in der Hymne an die Erde die tiefsten und schönsten Gedanken seines Dichtergenies aussprach*).

Über rhythmische Formen läßt sich nicht streiten, wenigstens so lange nicht, als wir über das, was Rhythmus ist und über die Bedingungen seiner Wirkung noch so gut wie gar keine wissenschaftlichen Festlegungen besitzen**).

Wenn es bei mir noch einer Verstärkung dieser Überzeugung bedurft hätte, so wäre sie durch das Studium der vielen theoretischen Erörterungen über den englischen Hexameter, zu denen Longfellows Dichtungen Anlaß gegeben, bewirkt worden. Jeder diskutiert at random darauf los. Über die einfachsten Grundbegriffe herrscht keine Einigung. Bei einem Kritiker gilt ohne weiteres als feststehend, was der andere von vornherein als absurd zurückweist.

Solange uns nicht die Psychologie die Wege zu einer wissenschaftlichen Diskussion über rhythmische Formen in der Poesie geebnet, kann in solchen Sachen nur das Gefühl entscheiden. Darum hat nur derjenige das Recht, gehört zu

*) Daß Coleridge sich in diesem Gedichte an Stolbergs gleichnamige Dichtung anlehnt, verändert an diesem Urteil nichts.

**) Erst in jüngster Zeit sind Untersuchungen in dieser Richtung unternommen.

werden, der dies Gefühl besitzt, d. h. der schaffende Poet, der uns durch seine Werke gezeigt, daß er das Geheimnis rhythmischer Wirkung erlauscht hat. Weder ein Editor noch auch ein Kritiker kann verlangen, daß sein Gefühl andern als Richtschnur dienen soll.

Nun mag man, um zu unserer Dichtung zurückzukehren, über die Bedeutung Longfellows als Dichter mitunter verschiedener Meinung sein – Tiefe und Gehalt des eigenen Innenlebens werden hier das Urteil beeinflussen über einen Punkt wird man schwerlich streiten: für rhythmische Wirkung besaß er ein Organ. Und wenn seinem Gefühl keine andern Rhythmen für die Geschichte Evangelines genügten er hat ein anderes Versmaß versucht —, so wird uns hierin allein für die Angemessenheit des Hexameters eine gewisse Gewähr geleistet, und dies um so mehr, als Longfellow ursprünglich ein Gegner dieses Metrums war.

Die mannigfachen Diskussionen über den englischen Hexameter begehen – von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen – den Fehler, daß sie zu wenig die mannigfachen Faktoren, auf denen der Rhythmus beruht, in Betracht ziehen. Beruhte der Rhythmus eines Verses, wie manche Kritiker anzunehmen scheinen, lediglich auf regelbestimmter Abwechslung zwischen Hebung und Senkung, so müßte auch das Ticken einer Uhr oder der Takt etwa zweier Schmiedebämmer rhythmisch sein. Beim wirklichen Rhythmus ist zum mindesten eine Doppelbewegung vorhanden. Und das Geheimnis des Rhythmus besteht darin, daß die verschiedenen Wellen, in derselben Richtung fortschreitend, sich abwechselnd zu neuen Bergen und Tälern vereinigen, also eine neue Art von Bewegung, einen Rhythmus höhern Grades hervorbringen.

Zunächst ist es nun falsch, zu glauben, daß in dem Verse auch einer modernen akzentuierenden Sprache die Quantität gänzlich belanglos sei. Man denke sich nur einen Hexameter mit Konsonantenhäufungen in allen unbetonten Silben, Auch steht die Tatsache fest, daß sich Positionslängen und ursprünglich lange Silben viel häufiger in den unbetonten Silben der Trocbäen als in denjenigen der Daktylen finden. Beachtenswert ist, was James Spedding ('Reviews and Discussions', p. 316 ff.) über diesen Punkt sagt:

Nach seiner Überzeugung ist auch im Englischen die Quantität der Silben deutlich unterscheidbar. Slumbers hat zwei lange Silben mit dem Akzent auf der ersten Silbe. Supper hat zwei kurze Silben, mit dem Akzent ebenfalls auf der ersten Silbe. Bittern hat eine erste kurze betonte und eine zweite lange aber unbetonte Silbe. Quantity ist ein Daktylus; quiddity ein Tribrachys. Honestly ist ein Wort ohne Parallele im Lateinischen: die erste Silbe ist kurz, aber betont, die zweite lang, aber unbetont und die dritte unbetont.

Die Grade der Länge sind - immer nach Spedding unendlich verschieden, daher so viele zweifelhafte Wörter.

Unser Ohr ist für solche Wahrnehmungen unfähig geworden, erstens weil wir im Englischen die Quantität übersehen und zweitens, weil wir im Lateinischen und Griechischen so viele falsche Quantitäten annehmen. Tatsächlich wird in annus, tellus, terra, vacca der Doppelkonsonant nicht gesprochen, der Vokal ist also kurz. Um nun beispielsweise anus von annus zu unterscheiden, machen wir das kurze a in anus lang (sprechen es wie a in canus aus), glauben aber noch immer ein kurzes a in anus und ein langes a in annus zu hören. Spedding tritt dann in einen ausführlichen Vergleich des klassischen und englischen Hexameters ein mit folgendem Resultat: 'I can conceive it possible indeed that a new English metre may be invented, resting upon six regularly recurring accents as the ground, and made musical by some variation played upon it with quantity; just as the Latin takes quantity for its ground, and obtains its variations through the management of the accent.'

Aber die rhythmische Wirkung ist noch durch andere Faktoren bedingt. Daß sich in bezug auf das Zusammenfallen und Ineinandergreifen von Wort und Versfuß ein Dichter vor Einseitigkeit hüten muß, ist eine bekannte Forderung. Aber neben den Worteinheiten eines Verses gibt es auch logische oder Sinneinheiten. Ein Gedicht, in dem die durch die logischen Akzente geschaffenen Einschnitte es handelt sich nicht bloß um die Hauptzäsur stets an dieselbe Stelle fielen, würde unerträglich eintönig werden. Auch dürfen die logischen Einschnitte nicht zu häufig mit dem Ende des Versfußes zusammenfallen. Gegen die Mitte des Verses hin finden wir sie häufig nach der betonten Silbe.

Es erhebt sich nun die Frage, ob der englische Hexameter diese Forderungen zu erfüllen vermag.

Wegen der großen Zahl einsilbiger Wörter und der offenkundigen Tatsache, daß in den meisten zweisilbigen und dreisilbigen Wörtern der Akzent auf der ersten Silbe ruht, ist das mannigfaltige Ineinandergreifen von Wort- und Versfuß, wie es die klassischen Sprachen zeigen, nicht möglich.

Auch in 'Evangeline' lassen sich Verse, in denen Wortund Versfuß durchweg zusammenfallen, in großer Menge aufzählen. Aus dem letzten Teil des Werkes nenne ich folgende: 1278, 1338, 1348, 1350/1, 1373/5. Natürlich bedeutet diese Erscheinung einen entschiedenen Nachteil des Englischen gegenüber den klassischen Sprachen. Dagegen ist aber der logische Akzent im Englischen naturgemäß von ungleich größerer Freiheit der Bewegung als in den klassischen Sprachen. Er allein bietet dem Dichter eine Handbabe, Abwechslung und stets neue Bewegung in den Fluß seiner Hexameter zu bringen. Und dieses Mittel hat Longfellow mit Geschick auszunützen verstanden. Beispiele: 8, 28, 1350.

Im allgemeinen zeigen die Hexameter Longfellows eine bemerkenswerte Ungleichheit. Es gibt Verse, deren Trefflichkeit über allem Zweifel steht, vgl. den häufig zitierten Vers aus ‘Courtship of Miles Standish' (224): 'Singing the hundredth Psalm, the grand old Puritan anthem.'

Andererseits gibt es Verse, die durchaus schlecht sind; als Beispiel diene der folgende: 274 Children's children rode on his knee, and heard his great

watch tick. Im großen und ganzen aber ist der Fortschritt, den die Verse in 'Evangeline' im Vergleich mit Longfellows erster hexametrischer Dichtung, 'The Children of the Lord's Supper', zeigen, unverkennbar. Bisweilen ist es in diesem Übersetzungswerke schier unmöglich, Hexameter heraus zu lesen, ohne der Sprache Gewalt anzutun. Man begreift, daß Longfellow damals keine bessere Charakteristik hatte, als that inexorable hexameter, in which the motions of the English Muse are not unlike those of a prisoner dancing to the music of bis chains'. Sein Ohr hatte damals, um den früher zitierten Ausdruck eines Kritikers zu gebrauchen, 'not yet got the hang of it. Erst die Homerfragmente in 'Blackwoods Magazine' offenbarten ihm die Schönheit des englischen Hexameters. Auffällig ist die Häufigkeit des Daktylus in "The Children of the Lord's Supper'. In 'Evangeline' ist Longfellow damit ungleich sparsamer; und in den spätern Revisionen dieser Dichtung zeigt er das Bestreben, die Zahl der Trochäen auf Kosten der Daktylen noch weiter zu vermehren. Auch in dem später entstandenen hexametrischen Gedicht 'Courtship of Miles Standish' zeigt sich ein freierer Gebrauch von Trochäen.

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